Medienrecht

Darf eine Kommentatorin schreiben, ein Exekutivmitglied verbreite schlechte Stimmung im Gremium? Muss sie den Betroffenen vor der Veröffentlichung deswegen anhören? Der Presserat sagt nein und weist eine Beschwerde gegen die Berner Zeitung ab.

Die Zeitschrift L’illustré hat die Unschuldsvermutung nicht verletzt, indem sie die persönlichen Hintergründe eines Angeschuldigten ausleuchtete. Aber sie hat seine Privatsphäre verletzt, indem sie unwesentliche Einzelheiten veröffentlichte und so die Identifizierung über den Kreis der bereits eingeweihten Personen hinaus ermöglichte.

Darf eine Gratis-Zeitung von Parlaments-Kandidaten Geld dafür verlangen, dass sie deren politisches Programm im redaktionellen Teil wiedergibt? Selbstverständlich nicht, denn damit pervertiert sie den demokratischen Auftrag der Presse.

Dürfen Medien bei aufsehenerregenden Unglücksfällen, Katastrophen und Verbrechen ausnahmsweise Opferbilder veröffentlichen, damit die Öffentlichkeit am Leid der Hinterbliebenen Anteil nehmen kann?

Dürfen Zeitungen private Gespräche verwerten, die von ihren eigenen JournalistInnen oder von Dritten zufällig mitgehört werden? Nur eingeschränkt, sagt der Presserat.