egger gil

Wenn man ein wenig in Europa herumreist, stellt man mühelos fest, dass ein Beruf verschwunden ist: Der Geldwechsler. Die Einführung des Euro hat die Wechselbüros von einem Tag auf den andern aus den Strassenbildern gelöscht, ausgenommen einige Schalter in Flughäfen. Weniger augenfällig für alle, hat auch der Beruf des Typografen ausgedient. Wird es den schreibenden Journalisten gleich gehen, weil die auf Papier gedruckten Zeitungen und Zeitschriften sterben werden?

Die sukzessiven Umstrukturierungen, die wir erleben, verheissen keine strahlende Zukunft. Und eine neuerliche gute Nachricht bestätigt lediglich einen Wechsel vom beschriebenen Papier zum flüchtigen Medium: Ein neues Lokalradio, vornehmlich auf Informationen und nicht auf Musik orientiert, bedient die Gestade des Genfersees. Eigentlich geht es hier um eine Wiedergeburt, adieu Yes-FM, rebonjour Radio-Lac. Das gute Dutzend von Journalisten, die dem Medium Leben einhauchen lässt uns glauben, dass sich unser Beruf den neuen Gegebenheiten anpassen wird. Immer noch entspricht der journalistische Stil der auf Papier gedruckten Medien, das Einfangen der Zeit, weder der Natur von Radiosendungen noch den Auftritten im Internet.

Ich wage nicht es zu erwarten, doch lasst uns experimentell denken: Das Papier verschwindet. Wer wird sich dann noch mit Kommentaren abmühen, mit Analysen, die man dort fand? Wird die Form der permanent sich verändernden Texte sich Zeit nehmen, um auf bereits verbreitete Nachrichten zurückzugreifen? Wenn Sie einen Kommentar am Radio oder Fernsehen hören - wenn Sie sich die Mühe nähmen mitzuschreiben, würden Sie sehen, wie kurz die geraten. Zwar ist der Umfang eines Kommentars nicht immer massgebend oder nötig, aber wenn es darum geht, innezuhalten um Einzelheiten zu erklären, stellen die Magazine einen gewissen Raum zur Verfügung.

Wenn diese Welt ohne Papier dereinst real würde, müsste man ein Mittel erfinden, um die Analysen und Kommentare nicht zu verlieren. Heute sind jene, die man im Netz findet, Auszüge aus Printmedien.

Es scheint mir, dass jetzt, in dieser durch Bedrohungen verfinsterten Gegenwart, dass wir uns Gedanken machen sollten über die Dauerhaftigkeit unseres Berufes, die den Lesern stets half, sich eine eigene Meinung zu bilden, beruhend auf unterschiedlichen Ansichten, gesichert durch Fakten und objektive Analysen. Ich habe Mühe zu glauben, dass die kurzen Sätze in den Sozialen Medien diese Art der Auseinandersetzung ersetzen können.

Lasst uns künftig Mittel finden, den nötigen Tiefgang zu suchen in dieser Welt, die auf der Achse des Sofortigen und Oberflächlichen kribbelt. Das Unbekannte weckt immer ein Gefühl der Unsicherheit. Unsere pessimistische Natur sieht zuerst das Schlechte, bevor wir es überdenken. Die gegenwärtigen Umwälzungen können uns auch anstossen zu neuen Formen des Diskurses, um unsere Rolle zu spielen, indem wir Zusammenhänge aufdecken, kommentieren, analysieren und manches aus neuen Blickwinkeln betrachten. Die Mission ändert sich nicht, bloss die Werkzeuge ändern sich. Lasst uns an eine Zukunft denken, in der unsere Ziele aufeinander abgestimmt werden, an eine Grundbildung und an eine lebenslange Weiterbildung. So sichern wir dem Journalisten seinen Beruf. Er entwickelt sich; wir wissen nicht genau wohin die Reise geht, aber er bleibt für mich der schönste der Welt.

Gil Egger, Präsident